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Warum ist Datenkompetenz für JEDEN wichtig?

Zu den wertvollsten Unternehmen der Welt zählen vor allem Konzerne aus der Technologie-Branche: Apple, Microsoft, Alphabet (Google). Ein Grund wieso diese Unternehmen einen so großen Marktwert erreichen konnten, ist nicht nur dem jährlichen Umsatz zuzurechnen, sondern vor allem einem neuen wertvollem „Rohstoff“, der in den vergangenen Jahren auch Öl als bedeutendste Ressource abgelöst hat: Daten. Und da diese Unternehmen gigantische Datensammler sind, spiegelt sich dies auch am Unternehmenswert wider. Daten haben in der heutigen Zeit eine gigantische Macht und die Unternehmen benötigen diese Ressourcen für eine Maximierung des Unternehmenserfolg und das Vermeiden von Fehlern in der Entscheidungsfindung.

Wir leben aktuell in einer Welt, in der alles überwacht und gemessen werden kann. Auch die Technologie dazu hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Menschen haben jedoch Schwierigkeiten im Umgang mit den neuen Technologien zur Datenerfassung und Datenauswertung: Ihnen fehlt die Kompetenz, die Daten zu analysieren und auch ein Leitfaden diese richtig einzuordnen.

Lasst uns ein paar Fakten der vergangenen 30 Jahren anschauen, um zu verstehen, wie schnell die digitale Entwicklung vorangeschritten ist, und warum Datenkompetenz von Tag zu Tag an Bedeutung gewinnt.


Digitale Revolution

Mit der Entwicklung von Computern und Disketten als Speichermedien Ende des 20.Jahrhunderts ist es möglich geworden, Daten erstmals digital abzuspeichern. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts konnte man bereits den Anfang des Digitalzeitalters miterleben. Das unterstreicht u. a. auch die Forschungsarbeit der Kommunikationswissenschaftler Dr. Martin Hilbert und Priscila López von der University of Southern California. In ihrer ausführlichen Recherche zur informationellen Vermessung der Welt haben sie mehr als 1.100 Informationsquellen bearbeitet und ausgewertet. Dabei untersuchten sie, wie viele Informationen von 1986 bis 2007 gespeichert, kommuniziert oder verarbeitet wurden. Die Ergebnisse der Studie wurden im Jahr 2011 veröffentlicht und sind in der Abbildung unten dargestellt.

In ihrer Studie aus dem Jahr 2007 zeigen sie den Verlauf der Datenexplosion seit dem Jahr 1986. Im Jahr 1986 umfasste die digitale Informationsmenge noch ein überschaubares Volumen. Die effektive Kapazität der Weltinformation durch das Telekommunikationsnetz betrug damals 280 Petabyte, davon wurden 20% mittels digitaler Netzwerke übertragen. 1 Petabyte (PB) sind 1.024 Terabyte (TB) bzw. 1.048.576 Gigabyte. Um 280 Petabyte zu speichern, bräuchte man also ca. 70 Millionen USB-Sticks mit einer Speicherkapazität von jeweils vier Gigabyte.

Das digitale Jahrtausend

21 Jahre später, Im Jahr 2007, wuchs diese Kapazität weltweit auf ganze 65 Exabyte, wobei 99,9% der übermittelten Informationen in digitalen Bits übertragen wurden. Ein Exabyte (EB) entspricht 1024 Petabyte (PB). Dies gleicht einer jährlichen Wachstumsrate von 30%. Der Zuwachs an digitalen Daten ist somit fünf Mal schneller gewesen als das weltweite Wirtschaftswachstum. Die Abbildung oben zeigt das kontinuierliche Wachstum an digitalen Daten im Zeitraum von 1986 bis 2000. Bis zum Jahr 2000 wurden noch 75% aller Informationen auf analogen Datenträgern gespeichert.

2001 gab es zum ersten Mal gleich viele analoge und digitale Speichermöglichkeiten. Dr. Hilbert behauptete 2002, dass das digitale Zeitalter in diesem Jahr begonnen hat. Ab diesem Zeitpunkt war es zum ersten Mal möglich, mehr Informationen digital als analog zu speichern. Die Entwicklung des Internets, von Smartphones und von weiteren Technologien hat den Menschen ermöglicht, noch mehr digitale Daten zu produzieren. Die Abbildung oben zeigt deutlich, wie rasch die Datenmenge in digitaler Form innerhalb kürzester Zeit explodiert ist.

Eine Situation wie bei der Druckrevolution

Auf dieser Grafik sehen wir, dass sich die Datenmenge von 1978 bis 2007 (innerhalb von 29 Jahren!) verhundertfacht. Wenn wir in der Menschheitsgeschichte zurückgehen, um zu schauen, wann wir so etwas in dieser Form zum letzten Mal erlebt haben, dann sagt uns die Historikerin Elisabeth Eisenstein, dass so etwas Ähnliches der Menschheit bereits von 1455 bis 1505 passiert ist. Zu dieser Zeit gab es die Gutenbergerische Druckrevolution, die sich schnell über ganz Europa verbreite, Damals hat sich die auf dem Kontinent gespeicherte Datenmenge verdoppelt. Und in unserem Beispiel hat sich die digitale Informationsmenge innerhalb von knapp 30 Jahren verhundertfacht.

Der rapide Anstieg ist aber nur ein Teil der Geschichte: Wir verdoppeln die Menge an Daten etwa alle 18 bis 20 Monate. Die zweite Teil der Geschichte wird durch unterschiedlichen Farben auf der Grafik symbolisiert (hell- und dunkelgrün). Wenn Sie sich auf das Jahr 2000 fokussieren (es ist jetzt nicht so lange her), zeigt sich, dass zu diesem Zeitpunkt 75% der Daten analog gespeichert waren. Hier sehen wir in 20 Jahren erneut eine Verhundertfachung. Heute liegt der analoge Anteil bei weniger als 1%, d.h. innerhalb von wenigen Jahren haben wir uns von einer analogen Welt sehr schnell wegbewegt hin zu einer digitalen Welt.

Leider wurde die Grafik von oben nicht weitergeführt. Aus anderen Quellen ist aber bekannt:

  • Bei Google gibt es pro Tag 3,5 Millionen Suchanfragen, das bedeutet 40.000 pro Sekunde.
  • Per WhatsApp werden per Tag 65 Mio Nachrichten ausgetauscht (das betrifft alle 180 Länder, in denen WhatsApp verfügbar ist)
  • Im Jahr 2020 hat eine Person im Durchschnitt 1,7 Megabytes an Daten pro Sekunde erstellt.

Wir sind heute von Daten umgeben

Daten sind überall verbreitet. Digitalisierung führt zwangsläufig zu einer Datafizierung (englisch datafication), weil die analoge Welt in einer Digitalen abgebildet wird. In nahezu allen Disziplinen werden heute Daten in großen Mengen erhoben oder entstehen als Nebenprodukt. Hier einige Beispiele:

  • Sensordaten in der Produktion
  • Digitale Bank- und Versichertendaten
  • Daten von Fitness-Trackern
  • Verkehrsflussdaten
  • Kundendaten in CRM-Systemen

Diese Daten werden zunehmend nicht mehr nur zu ihrem ursprünglichen Erhebungszweck genutzt, sondern sollen neue Analysemöglichkeiten eröffnen.

Warum ist Datenkompetenz für JEDEN wichtig?

1. Heutzutage ist Big Data ist nicht mehr wegzudenken

Die große Menge an Daten, die heute in der Welt anfällt, nennt man Big Data. Big Data gilt als ein sehr komplexes Gebiet mit vielen Besonderheiten. Diese Besonderheiten erfordern zum einen von den Unternehmen neue Denkweisen und haben zum anderen Auswirkungen auf strategische Entscheidungen. Drei Themenbereiche dieser Besonderheiten sind:

  • Mehr Daten: Je größer die Datenvolumen sind, die gesammelt werden, umso mehr Erkenntnisse kann man aus den Ergebnissen ziehen. Nicht immer sind sich die Unternehmen vorab im Klaren, welche Ziele sie mit der Datensammlung verfolgen oder welche Bedeutung die Datenanalyse haben kann.
  • Unschärfe: die Zunahme der Datenmenge ist mir ihrer “Unschärfe” verbunden. Große Mengen an Rohdaten sind mit einem Anteil an falschen Zahlen bzw. Angaben unter die Daten gemischt. Vor dem digitalen Zeitalter wurde diese Unschärfe als Fehler behandelt und es wurde versucht sie zu eliminieren. Im digitalen Zeitalter hingegen werden diese Fehler als unvermeidlich gesehen. Es soll akzeptiert werden, mit diesen Fehlern zu leben.
  • Wert der Daten:  Daten werden mittlerweile in der digitalen Welt als ein vierter Produktionsfaktor angesehen. Sie stehen in einer Reihe mit der Arbeit, dem Boden und dem Kapital. Mit diesem Produktionsfaktor werden heutzutage in der Industrie neue digitale Modelle erzeugt, welche den Unternehmen einen wesentlichen Nutzen bringen.

2. Hinterfragen der Zahlen aus Medien – Statistische Kenntnisse sind ein „Muss“

Wir müssen lernen, die Zahlen und deren Interpretation, die in den Zeitungen, Fernseher, Print Medien, Radio und Social Media kommuniziert werden, auch zu hinterfragen. Wir müssen lernen mit Daten und Fakten vernünftig umgehen, in Zahlen gefasste Abbilder der Wirklichkeit korrekt zu interpretieren und eine immer komplexere Welt und Umwelt sinnvoller zu beschreiben.

Beispielsweise behautet Katharina Schüller – die Statistikerin und Geschäftsführerin von STAT-UP, dass die Corona Zahlen falsch sind, weil sie nicht die Realität abbilden.  Die Zahlen, die aus den Medien sind, basieren sich nicht auf der repräsentativen Stichprobe.

„Die Zahlen sind „falsch“, weil sie nur einen kleinen Teil der Realität abbilden: die schwer Erkrankten, einen Teil der leichter Erkrankten mit Symptomen und einen ganz kleinen Teil von Menschen ohne Krankheitszeichen, die getestet wurden, weil sie Verdachtsfälle waren. Die Dunkelziffer ist unbekannt. Wir Statistiker haben deshalb ein Problem. Von uns wird erwartet, dass wir Prognosen erstellen, aber die Daten sind dafür nicht geeignet, weil sie zu wenige Informationen enthalten.

Je länger diese Phase der Unsicherheit andauert, umso größer die Gefahr, dass viele Menschen die Einschränkungen nicht mehr akzeptieren wollen. Deswegen ist es unerlässlich, Tests an repräsentativen Bevölkerungsstichproben durchzuführen.“

Ein grundlegendes Verständnis von Statistik, Demografie, Wirtschafts – und Sozialstatistik, aber auch von Wahrscheinlichkeitsrechnung steht deshalb auf einer Stufe mit der Fähigkeit zum Lesen und Schreiben. Besonders die aktuelle Pandemie Lage, zeigt, dass Grundkenntnisse in Statistik notwendig sind, um die Welt, in der wir leben, einordnen und bewerten zu können. Erst dann lassen sich Entscheidungen unter Unsicherheit treffen.

3. Datenkompetenz ist wichtig für dich, als Arbeitnehmer

Laut der Studie von Accenture „The Human Impact of Data Literacy“ befinden sich gerade viele Unternehmen in einem digitalen Wandeln: Es werden moderne technologische Lösungen eingeführt, um mit Unternehmensdaten neue Möglichkeiten zu entdecken und zu erschließen. Von diesem Wandel ist jeder Arbeitnehmer betroffen.

Um diesen Wandel zu ermöglichen, werden die Arbeitnehmer geschult, diese Technologien zu benutzten. Die Unternehmen gehen davon aus, dass durch die Schulungen für Technologiebefähigung, die Mitarbeiter ausreichende Kenntnisse erwerben, um mit Daten zielführend arbeiten zu können. Allerdings fehlen hier oft die Softskills und ein allgemeines Verständnis über die Daten allgemein, um das gewünschte Ergebnis erzielen zu können. Eine Datenschulung sollte sich nicht nur auf die für Datenprozesse erforderlichen harten technischen Fähigkeiten konzentrieren, sondern auch auf sogenannte Soft Skills, die den Mitarbeitern helfen, Daten im Allgemeinen besser zu verstehen. Nur so lässt sich der volle Wert von Daten erkennen – mit der Zusammenarbeit von Neugierde, kritischem Denken und dem Geschichtenerzählen.

Die Arbeitnehmer müssen ihre Fähigkeit mit Daten zu arbeiten, genauso schnell entwickeln, wie der technologische Fortschritt es vorgibt.

Eine weitere Studie zum Thema zeigt, dass Datenkompetenz sich nur positiv auf das Wohlbefinden von Mitarbeitern auswirken kann, wenn im Berufsleben häufig mit Daten gearbeitet wird. Mitarbeiter, mit dieser Kompetenz können die richtigen Fragen stellen und Erkenntnisse richtig bewerten. Dies hilft ihnen nicht nur Trends, sondern auch die dahinterstehenden Überlegungen besser zu verstehen, was zu einer sichereren Entscheidungsfindung und zielführenden Diskussionen mit anderen Kollegen führt.

„Jedes Unternehmen verfügt über eine Fülle an Daten, die es nutzen könnte, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Der Mangel an analytischen Fähigkeiten führt jedoch dazu, dass dieses Potenzial in der Realität oft ungenutzt bleibt. Mit Weiterbildungs- und Datenkompetenz-Initiativen sollten Unternehmen diese Qualifikationslücken schnell und effektiv schließen.“ sagt Roger Illing, Vice President Central & Eastern Europe bei Alteryx.


Datenkompetenz so wichtig wie Lesen und Schreiben

Andererseits lässt sich Datenkompetenz als die Fähigkeit auffassen, die ein mündiger Bürger in der Digitalisierung benötigt, um sich in einem Überangebot von Daten und Informationen zurechtzufinden und fundierte Entscheidungen zu treffen – im Alltag wie auf verschiedenen politischen Ebenen. Diese Entscheidungskompetenz setzt Unterscheidungsfähigkeit voraus, um Daten und Informationen von Interpretationen und Meinungen zu differenzieren. (Quelle: Schüller, Katharina. Statistik und Intuition (German Edition) (S.16). Springer Berlin Heidelberg. Kindle-Version.)

„Wir ertrinken in Informationen und dürsten nach Wissen“, formuliert der Zukunftsforscher John Naisbitt. Herbert G. Welles wird die folgende Prognose zugeschrieben: „Wenn wir mündige Bürger in einer modernen technologischen Gesellschaft möchten, dann müssen wir ihnen drei Dinge beibringen: Lesen, Schreiben und statistisches Denken, das heißt den vernünftigen Umgang mit Risiken und Unsicherheiten.“

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